1. Oktober – Tag des Flüchtlings Interreligiöse Andacht in dem Gemeindehaus der Bonifatius-Kirche

Zum 15. Mal treffen wir uns am 01. Oktober mit den verschiedenen religiösen Gemeinden, um gemeinsam für alle Flüchtlinge dieser Welt zu beten, zu singen, zu meditieren, jeder auf seiner Weise, in seiner Sprache. Der Saal ist bereits schön geschmückt mit Kerzen, Blumen, Herbstblättern und Kastanien. Die Stühle für 90 Personen sind aufgereiht – ob sie wohl reichen? Noch bin ich alleine im Gemeindehaus und bereite den Samowar für den türkischen Tee vor, stelle die Teegläser auf den Tisch, packe die Servietten aus, bereite das Spendenkörbchen für die minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlinge aus dem AWO-Wohnheim in Okarben. Nach und nach strömen die Gäste, viele von ihnen mit einer Platte oder Schüssel mit leckeren Sachen aus ihrer Heimat und stellen sie auf das Buffet. Ich begrüße die Gäste und heisse sie Willkommen. Bald ist der Gemeinderaum voll besetzt, Stühle müssen noch dazu gestellt werden. So eine große Resonanz hat es noch nie gegeben. Wie in den vergangenen Jahren bitten Jutta Claar am Hackbrett und Margarethe Rauscher an der Gitarre mit einem musikalischen Aufruf die Gäste Platz zu nehmen. Pfarrer Bernhard Schirmer und Gastgeber leitet in den religiösen Teil des Abends über. „Unsere Gesellschaft bedürfe der Änderung und Umkehr, dem täglich neu aufkommende Thema Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz dürfe man nicht ausweichen. Wenn Mächtige sich vergessen, dürfen Ohnmächtige nicht vergessen werden“, so Pfarrer Schirmer. Ich bin ganz still – wie schön er das gesagt hat. Immer noch kommen Gäste rein und stellen sich an die Seite. Weiter geht es mit den Gebeten der Weltreligionen, abgewechselt durch die wunderbare Musik von Clara und Margarethe. Zum ersten Mal ist die Jüdische Gemeinde dabei. Ganze 35 Mal findet das Gebot von der Fürsorge um den Fremden eine Erwähnung in der Tora, einem Teil der hebräischen Bibel. In der jüdischen Religion ist der Schutz des „Fremdlings“ fest verankert, die Gläubigen sollen sich an den eigenen Auszug aus Ägypten erinnern, in jeder Generation daran denken, dass sie einst ebenso Flüchtlinge waren, wie der Fremdling heute. Frau Peters von der Bahai Gemeinde singt mit ihrer wunderschönen Stimme zwei Lieder – Gänsehaut! Anschließend kann jeder Gast schweigend oder für alle hörbar eine Fürbitte aussprechen beim Entzünden einer Kerze. Besonders berührend ist die Fürbitte eines jungen Nigerianer, der in Deutschland Asyl und im AWO-Wohnheim in Okarben ein neues Zuhause gefunden hat. Leise gedenkt er in englischer Sprache seiner in Nigeria zurückgebliebenen Familie und all denen, die auf der Überfahrt gestorben sind. Meine Kollegin und Freundin, Katharina Gianakkaki, bedankt sich bei den Gästen, Herrn Pfarrer Schirmer, den aktiven Teilnehmern der Andacht und lädt zum Buffet ein. Ob das Essen wohl für so vielen Menschen reicht? Es ist ein wunderschöner Abend. Es fühlt sich wie bei einer Großfamilie an. Ich bin glücklich und gesegnet, mit dabei gewesen zu sein. Jetty Sabandar

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