Reformationsjubiläum 2017

500 Jahre Reformation: das geht alle christlichen Konfessionen etwas an. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Konfessionen bringt auch uns Katholiken Veränderung. Ausgangspunkt war für Martin Luther die Frage nach dem gnädigen Gott. Die Antwort war das Frei-Werden vom richtenden Gott hin zu einem Gott, der sich barmherzig dem Menschen zuneigt. Ein weiterer wesentlicher Gedanke ist das Priestertum aller Getauften: alle haben durch die Taufe in gleichem Maß Anteil an der Sendung durch Jesus Christus. Dazu brachte die Reformation einen Bildungsimpuls ein: die Beschäftigung und das Lesen der Heiligen Schrift. Die theologische Beschäftigung mit der Bibel bedeutet eine historisch-kritische Betrachtungsweise entgegen einer wörtlich-fundamentalistischen Rezeption der biblischen Texte. Im 16. Jh. machte die Welt dem Menschen Angst…und Gott auch. Der Humanismus übt Kritik an der scholastischen Theologie. Religion wird trivialisiert in magischen Praktiken und kommerzialisiert im Kauf von Ablassbriefen und schwunghaftem Handel mit Reliquien. Was die Menschen des 21. Jh. mit denen des 16. Jh. verbindet, ist das Gefangensein der Menschen in den Ängsten. Kann es eine Wende zur Angstfreiheit heute geben? Angst ist das zentrale Thema der Gesellschaft geworden – weltweit. Luther fand den gnädigen Gott als Wende zur Freiheit. Kann man ein solches Jubiläum „feiern“ in einer Zeit, in der die Bindekraft der Kirchen schwindet und die Indifferenz gegenüber dem christlichen Erbe immer größer wird? Das Vertrauen auf Christus droht verloren zu gehen ebenso wie das sich Verlassen auf die Zusagen der Heiligen Schrift. Die Relevanz der Kirchen in unserer Gesellschaft beschränkt sich auf soziale Tätigkeit. Das Jubiläumsjahr kann den Konfessionen neue Impulse geben für eine gemeinsame Standortbestimmung in der Gesellschaft: ein Aufbruch zur Weltgestaltung und Weltverantwortung und der Einkehr bei Gott.  

Autor: Karin Scholz

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